Einweihung der Bergbauerinnerung der Stadt Zwickau zum Tag des Bergmanns 2014

Festplatz an der B 93
Die Oberbürgermeisterin der Stadt Zwickau, Frau Dr. Pia Findeiß übergibt die Bergbauerinnerung
Direkt auf der Silberstraße wurde der Platz der bergmännischen Erinnerung geschaffen. Er soll gleichzeitig ein würdiger Ausgangspunkt der konzipierten Sächsischen Kohlenstraße, Richtung Dresden Sein! Dieser Platz, direkt auf dem Tunnel der B93, der Silberstraße, nahe der Paradiesbrücke, der "Glück Auf" Brücke, dem Röhrensteg, nahe den beiden Bergbaulehrpfaden, in unmittelbarer Nähe der Stadtmauer und des symbolisierten "Tränktores", barierefrei erreichbar, ist bewusst gewählt, denn hier querten Generationen von Bergarbeitern die Mulde, um ins östliche Steinkohlenrevier, zur Schicht bzw. zu ihren Wohnungen zu gelangen. Auch wurde auf diesem Wege der Ertrag der Arbeit, die geförderte Steinkohle im althergebrachten Gespanndienst im Zubringerbetrieb, auf der bewährten Kohlenstraße transportiert. Dabei durften auf den Schächten nur Arbeiter angelegt werden, die im Besitz eines Signalements und Aufführungszeugnisses waren, eine Legitimation, den Pass, das Wanderbuch, ein Dienstbuch, Knechtbuch usw. dem Justizamt beibringen konnte. Jeder vom Justizamt freigegebene Bewerber für eine Tätigkeit auf der Schachtanlage, erhielt eine Blechmarke, die zur Arbeitsaufnahme berechtigte. Die im Volksmund auch "Schindermarke" genannte Blechmarke musste zu sehen sein!
Der Kumpel lädt zum Verweilen ein. Nimm Platz! Besinn Dich; erinner Dich!
Zwickau im Jahre 1632 Blick zum Tränktor aus östlicher Richtung
Sie musste unter und über Tage an der Kopfbedeckung getragen werden und beim betreten der Stadt, am Stadttor sichtbar an der Bekleidung befestigt sein. Die fleißige Arbeit der Kumpel, die per Handschlag versichert hatten, ihr Bestes zu geben, brachte unter anderem, den Zwickauer Chausseegeldeinnehmern durch ständig mehr zu transportierende Steinkohle, überdurchschnittliche Einnahmen. Der Verlauf der "Kohlenstraße ist an Hand der Aster’schen Meilenkarte von Sachsen aus dem Jahre 1791 belegt. Sie verlief aus Bockwa bei Zwickau kommend über die Schächte in Oberhohendorf nach Vielau, Reinsdorf und Wildenfels bis in die Nähe des historischen Straßengasthofes "Prommnitzer" in Oelsnitz/Erzgebirge. Doch sind auf Dauer die Wege und Straßen auf Dauer nicht den steigenden Bedarf an Steinkohlen gewachsen gewesen und verlangten nach einer spürbaren Entlastung. Der Ruf nach dem Kohleabtransport per Eisenbahn wurde immer stärker und führte 1847 zum Erfolg! Mit der Anbindung des "Segen-Gottes-Schachtes" an das Schienennetz am 13. Dezember 1847 erledigten sich die althergebrachten Gespanndienste im Kohlenversand. Natürlich wurden Zwickauer Betriebe nach wie vor durch Gespanne beliefert. Auch die Deputatauslieferung, bzw. für den Hausbrand notwendige Kohlen wurden durch Gespanne auf der Straße versorgt. Wenn man zusammenfassend zurückblickt, erklärte der Vorsitzende des Steinkohlenbergbauverein Zwickau e.V. Karl-Heinz Baraniak, "so prägte der über 650 Jahre andauernde Steinkohlenbergbau die Stadtlandschaft Zwickaus. Denn insgesamt wurde Steinkohle in 17 großen und unzähligen kleinen Schächten im Stadtgebiet abgebaut. So fanden beispielsweise in den 1950er Jahren mehr als 11.000 Bergarbeiter in den drei Großbetrieben, dem VEB Seinkohlenwerk "Karl Marx" auf dem Brückenberg, dem VEB Steinkohlenwerk "August Bebel" an der äußeren Schneeberger Straße in Zwickau-Schedewitz und dem VEB Steinkohlenwerk "Martin Hoop" an der äußeren Dresdner Straße in Zwickau-Pöhlau ihre Beschäftigung und sicherten dem Land somit den so dringend benötigten Rohstoff Steinkohle, das "Brot der Industrie"! Weiter erklärte der Vorsitzende: " Warum wurde ein Kumpel beim Ausruhen am Feierabend dargestellt? Nachdem unser Vorschlag in die Planung der zu gestaltende Fläche aufgenommen war, haben wir auch den Projektnamen erfahren! Mulden Paradies! Sie werden mir Recht geben, ins Paradies passen keine Schwerstarbeiter, keine schuftenden Bergmänner! Wer im Paradies ist, so unsere überzeugung, hat Feierabend, ist glücklich und zufrieden, besinnt sich, erinnert sich! Mit Hilfe mehrerer Berater und der fachlichen Ratschläge unseres Künstlers Jo Habort, entstand nach und nach das dreiteilige bergmännische Ensemble, wie es nun vor uns steht.
Zwickauer Bürgerschein
Bergmeister Karl-Heinz Baraniak eröffnete die feierliche Einweihung und sprach einführende Worte zur Bergbauerinnerung
Zur Erinnerung wurden fünf Quader mit Bronzereliefs geschaffen, welche Kurzinformationen zu einem über sechs Jahrhunderte tätigen Steinkohlenbergbau im Zwickauer Revier tragen. Und die Sicherheit soll symbolisch durch den Holzausbau dargestellt werden. Der untertätige Holzausbau diente der allseitigen Sicherung gegen den Gebirgsdruck und war gleichzeitiger Schutz gegen herabfallendes Gestein! Denn die Bergleute hatten zu jeder Zeit schwierige und gefahrvolle Arbeitsabläufe zu bewältigen, die sie oft mit ihrer Gesundheit oder sogar mit ihrem Leben bezahlen mussten. Gerade dieser Aspekt ist auch ein Grund, sich an die vielen Generationen fleißiger Kumpel zu erinnern und ihnen, in unserer Stadt, einen würdigen Platz der Erinnerung zu widmen!
Das Kunstprojekt „Erinnerung -es ist Feierabend- Schicht im Schacht!“ des Zwickauer Künstlers Jo Harbort
Wir, die Mitglieder des Steinkohlenbergbauverein Zwickau e.V. hoffen und wünschen, dass diese gestaltete Fläche der Bergbauerinnerung im Mulde Paradies ein Anziehungspunkt wird, von den Bürgern unserer Stadt und seinen Gästen aus Nah und Fern gut angenommen und ein attraktiver Ausgangspunkt für die geplante sächsische Kohlenstraße Richtung Dresden ist. Sehr herzlich möchten wir uns bei der Stadt Zwickau bedanken für die gute Zusammenarbeit und die Bereitstellung der zur Realisierung benötigten finanziellen Mittel. Bergmannsdank sagen wir auch unseren Beratern und Vereinsmitgliedern, welche sich finanziell beteiligten, und unserem Zwickauer Künstler Jo Harbort der sich unserem Anliegen gegenüber sehr offen zeigte und mit seinen Erfahrungen und künstlerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten die dauerhafte Bergbauehrung der Stadt Zwickau, das Kunstprojekt:
"Erinnerung -es ist Feierabend- Schicht im Schacht!" realisierte!"
Unserem Ziel, das Erholungs- und Tourismuskonzept unserer Stadt und der Region mit der bergmännischen Traditionspflege zu verbinden scheinen wir ein Stück näher gekommen zu sein, denn das Amtsblatt der Stadt Zwickau, Pulsschlag, berichtet von der feierlichen übergabe der Erinnerungsstädte mit einem wunderschönen Foto und der Feststellung: "Das von Jo Harbort gestaltete Denkmal informiert über mehr als sechs Jahrhunderte dauernde Steinkohlebergbautradition und verspricht, ein neuer touristischer Anziehungspunkt der Stadt Zwickau zu werden!"


Text und Fotos:Bergmeister Karl-Heinz Baraniak (Steinkohlenbergbauverein Zwickau)