Generalbefahrung als förderlicher Auftakt eines ereignisreichen bergmännischen Jahres


• Generalbefahrung als neue Jahresauftaktveranstaltung des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine erfolgreich etabliert

• rund 50 Vertreter aus Politik und Wirtschaft fanden sich im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge zu ideenstiftendem Gedankenaustausch zusammen

Am 24. Februar 2017 lud der Sächsische Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. zu einer "Generalbefahrung" ein. Ziel der gelungenen Veranstaltung im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge war es, Freunde und Förderer, aber auch Entscheidungsträger und Unternehmer zusammenzubringen, um über die identitätsstiftende Arbeit des Landesverbandes zu berichten, aber auch aktuelle Vorhaben in den Mittelpunkt des Gedankenaustauschs zu stellen sowie nicht zuletzt Unterstützung für die ehrenamtliche Arbeit in der Region für die Region zu erhalten. Die erstmals ausgerichtete Jahresauftaktveranstaltung führte im Interesse einer weiterhin erfolgreichen Verbandsarbeit für die derzeit 62 Mitgliedsvereine, in denen mehr als 3.300 Bergkameradinnen und Bergkameraden organisiert sind, rund 50 Vertreter aus sächsischer Politik und Wirtschaft zusammen.

Welcher sinnreiche, bergmännische Begriff wäre einer Jahresauftaktveranstaltung des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. wohl besser gerecht geworden, als der einer "Generalbefahrung". Ist doch darunter die umfassende Begehung und Untersuchung eines Grubengebäudes zu verstehen, die als Bestandsaufnahme zur Feststellung und weiteren Ausrichtung der erforderlichen Arbeiten dient. Gilt es doch, dafür Sorge zu tragen, daß die vertrauensvoll eingesetzten Zubußen – die sich gleichermaßen aus dem mannigfaltigen, fleißigen und treuen Wirken jedes Einzelnen, der sich um die lebendige Bewahrung der berg- und hüttenmännischen Traditionen in Sachsen bemüht, aber auch den vielfachen materiellen und finanziellen Gaben von öffentlicher und privater Hand errechnen – reichen Ertrag ausbringen.

Unter diesem Blickwinkel wollte die Veranstaltung im Historischen Speisesaal im Knappschaftshaus des Bergbaumuseum im erzgebirgischen Oelsnitz einerseits zur Arbeit und "Ausbeute" des Landesverbandes informieren, zugleich aber nähere und weitere Ziele abstecken. Dies allerdings nicht nur mit bereits gewonnenen Freunden und Förderern, mit verlässlichen Entscheidungsträgern und Unternehmern, sondern zugleich mit Gästen aus der Region, die für gemeinsames Schaffen im Sinne beiderseitig nutzbringenden Ausbringens als Unterstützer und Sponsoren gewonnen werden sollten. Denn die Erhaltung des Brauchtums der Berg- und Hüttenleute in Sachsen ist nicht nur alleinstellende Grundlage von innen heraus stärkender Selbstwahrnehmung und zählt zu den wesentlichen weichen Standortfaktoren eines zukunftsfähigen und liebenswerten Wirtschafts- und Lebensraumes. Sie benötigt immer wieder den aktuellen gesellschaftspolitischen Bezug, nicht zuletzt aber Bestätigung und wichtiger noch Impulse für die eigene Weiterentwicklung in der Bewahrung.

Ganz unter diesem Eindruck stand denn auch die Begrüßung der rund 50 anwesenden Vertreter aus Politik und Wirtschaft des Freistaates – zu denen neben den Landräten des Erzgebirgskreises, Frank Vogel, und des Kreises Zwickau, Dr. Christoph Scheurer, unter anderem Frau Staatsministerin Barbara Klepsch zählte – durch den neuen Vorsitzenden des Sächsischen Landesverbandes, Bergmeister Ray Lätzsch. Prägnant umriss er Ziele sowie Aufgaben und verdeutlichte die Wichtigkeit einer modernen Aufstellung des Verbandes, um besonders für Kinder und Jugendliche interessant zu werden: "Wir müssen uns im Klaren sein, dass wir in ständiger Konkurrenz mit Sportvereinen, mit Jugendfeuerwehren aber auch mit sozialen Netzwerken stehen. Wir müssen den Sächsischen Landesverband fit machen für die Zukunft! Dazu gehört es, innovative Ideen zur Ausgestaltung des Vereinslebens einzubringen bzw. zu entwickeln. Es gilt, nicht nur die Kräfte und Interessen als echte Standesvertretung des Landes lose zusammenbringen, sondern zu bündeln für ein einheitliches, gewachsenes sowie gesundes Außenbild und starke, innere Identität. Wir wollen Partner sein für Landesentwicklung, Tourismus, Wirtschaft und Kultur – kurzum für die ganze Gesellschaft!" Für dieses "Projekt Anbruch 2020", das beim Wachstum in die Zukunft festen Halt in den bergmännischen Wurzeln finden muß, warb er um breiteste Unterstützung.

Diese Verbindung zwischen Tradition und Moderne griff auch der Vorsitzende des Beirates des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer, in seinem Grußwort auf, das er unter das Motto der Einladung: "Bergwerk will haben Verstand und eine getreue Hand." stellte. Er ging dabei unter anderem noch einmal auf den schönen Erfolg des vergangenen Jahres ein, der durch Aufnahme der sächsischen Bergparaden in das Immaterielle Kulturerbe erreicht werden konnte. Anschließend gab der Geschäftsführer, Bergkamerad Franz-Peter Kolmschlag, einen kurzweiligen, aber inhaltstiefen und aufschlussreichen Überblick zu den breitgefächerten Anstrengungen des Verbandes in seinen verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Er ging dabei besonders auf die mit speziellen Arbeitsgruppen untersetzten Bereiche Bergmusik, Berglied, Bergmännische Schauanlagen und Öffentlichkeitsarbeit ein, berichtete aber ebenso von den bestimmenden Bergparaden und der etablierten Zeitschrift "Bergglöckchen". Er unterstrich nochmals: "Auf das bisher erreichte können wir zu Recht stolz sein, aber es besteht kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Eine unserer Hauptaufgaben für die kommenden Jahre muss es sein dafür zu sorgen, dass durch eine ordentliche Nachwuchsarbeit das in den letzten 25 Jahren geschaffene auch für die Zukunft bewahrt werden kann. Dazu gehört eine zielgerichtete und attraktive Verbandsarbeit, die sich bis in die Vereine fortsetzen muss und eine noch breitere Unterstützung unserer Arbeit aus den Territorien."

Als sich die bekannten und neu hinzugekommenen Anwesenden zum gemeinsamen Gesang des ehrwürdigen "Steigermarsches" erhoben, war der Funke einer seit Jahrhunderten leuchtenden Flamme sächsischer Kultur längst übergesprungen. Dafür sorgte nicht zuletzt das Bläserquintett des Musikkorps der Bergstadt Schneeberg, das als Landesbergmusikkorps Sachsen dem Abend bergmusikalischen Glanz verlieh.

In den anschließenden Gesprächen konnten denn auch bestehende Kontakte vertieft und vielfältige neue, ganz bergmännisch gesprochen, höffliche Anbrüche angehauen werden. Vorstand und Beirat sehen daher die erste Generalbefahrung als gelungene und gewinnbringende Veranstaltung im Sinne der Entwicklung gemeinsamer Ideen und deren Umsetzung zum weiteren Erhalt und vor allem zum Ausbau des Sächsischen Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine. e. V.


Ganz konkret wird sich dies bereits im Rahmen des 5. Sächsischen Bergmanns- Hütten- und Knappentages beweisen, der vom 8. bis 10. September diesen Jahres in Ehrenfriedersdorf stattfinden wird. Engagiert vorbereitet durch die Stadtverwaltung Ehrenfriedersdorf sowie die Berggrabebrüderschaft und den Bergmännischen Musikverein der Bergstadt in Gemeinschaft mit dem Landesverband, wird ein umfangreiches Programm bergmännische Traditionen mit der Gegenwart verbinden.

Viele der Teilnehmer nutzten die anschließende Gelegenheit, zugleich eine "Generalbefahrung" durch das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge – das Museum des sächsischen Steinkohlenbergbaues – in Begleitung eines Bergkameraden der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers als regionalem Verein zu nutzen. In den nächsten Jahren möchte der Landesverband über die Durchführung seiner Jahresauftaktveranstaltung an verschiedenen Orten, die durch eine bergmännische Korporation im Verband vertreten sind, nicht nur einen festen, bedeutsamen Termin im Veranstaltungskalender schaffen, sondern zugleich die Bekanntheit der Mitglieder stärken.

Der am 20. Oktober 1990 gegründete Sächsische Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. (SLV) ist die überregionale Interessenvertretung und Koordinierungsstelle von freiwillig vereinigten Bergbrüderschaften, Berg- und Hüttenknappschaften, bergmännischen Musik-, Geschichts- und Traditionsvereinigungen in Sachsen, die sich bei Wahrung ihrer Selbständigkeit und Unabhängigkeit durch die Erhaltung und lebendige Pflege des reichen bergbaulichen Erbes Sachsens wertig in die Gesellschaft einbringen. Hervorgegangen aus der 1957 gegründeten Arbeitsgemeinschaft "Erzgebirgische Bergbrüderschaften" im Deutschen Kulturbund stellt er eine der ältesten und bedeutendsten Standesvertretungen innerhalb des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. dar. Der SLV und seine Mitglieder stehen für die Bewahrung und Vermittlung der mehr als achthundertjährigen Geschichte des sächsischen Bergbaues, seiner einzigartigen Kultur und die gelebte Weitergabe bergmännischer Werte.

Auf dieser Grundlage bündeln sie ein hohes Maß an gesellschaftlichem und kulturellem Engagement, stehen für soziale Bindungen und das bewußte Miteinander.


Text: Heino Neuber Fotos: geme