Uranbergbau im Kalten Krieg

Die Wismut im sowjetischen Atomkomplex Band 1: Studien
 
Rudolf Boch, Rainer Karlsch
  Titelabbildung Uranbergbau im Kalten Krieg   Buchbesprechung aus Bergglöckchen 1/2012 S.30

Ende vergangenen Jahres erschien im Christoph Links Verlag Berlin das zweibändige Werk Uranbergbau im Kalten Krieg. Als Herausgeber fungieren der unter anderem bereits durch diverse Veröffentlichungen zum Thema Wismut bekannte Rainer Karlsch sowie der Historiker Rudolf Boch.
Obwohl der Untertitel "Die Wismut im sowjetischen Atomkomplex" lautet gibt es in einigen der Studien auch den Blick auf andere uranfördernde Nationen und Unternehmen um Vergleiche anstellen zu können.
Die Studien enstanden innerhalb eines u.a. vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und der Technischen Universität Chemnitz geförderten Forschungsprojekts von deutschen und russischen Historikern.
Die Teilung in einen Studien- und einen Dokumentenband ist aus meiner Sicht sinnvoll, da so der Lesefluß innerhalb der Studien nicht unterbrochen wird. Der Dokumentenband enthält den Wortlaut der Dokumente in deutscher Sprache was für viele Leser sicher den Zugang erleichtert. Der ein oder andere wird das Fehlen von Abbildungen der Orginaldokumente als Mangel an Authentizität betrachten. Eine solche Wiedergabe hätte aber den Umfang des Werkes gesprengt.
Der Studienband gliedert sich in die Themenkomplexe "Stellenwert des Uranbergbaus in Politik und Wirtschaft" und "Sozial- und Alltagsgeschichte"
Die Autoren haben für ihre Studien jeweils umfangreiche Recherchen vor allem in bisher kaum erschlossenen russischen Archiven betrieben. Deutlich wird das zum einen in der Fülle von dargebotenen Fakten als auch deren Unterlegung mit Primärquellen. Jede der Studien konzentriert sich dabei auf ein konkretes Thema so das die einzelnen Sachverhalte sehr tiefgründig aufgearbeitet werden.
Herausgreifen möchte ich an dieser Stelle die Beiträge "Das Erz des Kalten Krieges" und "Fremd bei Freunden".
Der erstere von Mitherausgeber Rainer Karlsch beschreibt die Entwicklung des Uranbergbaus in den wichtigsten Förderländern beginnend mit den ersten in Größenordnungen erschlossenen Vorkommen in Belgisch Kongo und dem dort betriebenen Raubbau über die Entwicklung der Uranindustrie in den USA und Kanada, die fieberhafte Suche der Sowjetunion nach Uran in ihrem Machtbereich zur Schliessung der "Uranlücke" und dem sich in der westlichen Welt mit Beginn der friedlichen Nutzung der Kernenergie entwickelnden Uranmarkt und dessen Höhen und Tiefen. Dabei werden Parallelen und Differenzen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs deutlich.
Der Beitrag Fremd bei "Freunden" von Tatiana Timofeewa aus dem zweiten Teil "Sozial- und Alltagsgeschichte" vermittelt einen Einblick in das Leben der sowjetischen Spezialisten und Militärs bei der SAG/SDAG Wismut. Dabei wird deutlich das diese Personengruppen abseits des Arbeitsalltags ein zur DDR Gesellschaft hin weitgehend abgeschottetes Leben führten. Das steht aus meiner Sicht im krassen Gegensatz zur seinerzeit immer wieder postulierten Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Interessant sind auch die in diesem Zusammenhang Rechercheergebnisse aus dem russischen Internetportal wismut.ru, wo "Ehemalige" ihre Erfahrungen austauschen. Für den deutschen Leser mit eher rudimentären Russischkenntnissen wäre das ansonsten eine verschlossene Welt.
Auch die weiteren elf Beiträge die sich unter anderem mit Strahlenschutz im Uranbergbau, dem Rückbau und der Sanierung des Wismuterbes bis hin zum Einfluss der Wismut auf Kultur und Sport befassen sind allesamt sehr lesenswert.
Fazit. Der Studienband gehört in jede Handbibliothek zum Thema Wismut. Der Dokumentenband ist als Ergänzung ebenfalls empfehlenswert.



erschienen 2011 bei Ch. Links Verlag Berlin
 
  Aus dem Inhalt:        
 
 
  720 Seiten, 27 Abbildungen, Pappband mit Schutzumschlag, 16,0 cm x 21 cm  
ISBN-10: 3-86153-653-6
ISBN-13 (EAN): 978-3-86153-653-6
 
Bezugsquellen für dieses Buch via Eurobuch suchen
      Zurück zur Übersicht  
Alle Angaben zu Preisen und Bezugsmöglichkeiten ohne Gewähr!